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Ernst Georgi (1885–1966 ) - Die Georgistraße

Man kennt ihn in Adelsberg - zumindest vom Namen her. Ernst Georgi war eine Institution des heutigen Chemnitzer Stadtteiles. Eine Straße trägt seit langem seinen Namen - doch was kaum bekannt sein dürfte: Ernst Georgi war ein geachteter Bürger des Ortes und konnte auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Ausgewandert in jungen Jahren arbeitete er auf einem Schiff, später als Fleischer in Chicago, bevor er in die alte Heimat zurückkehrte und hier eine riesige Schweinezucht aufbaute. [...] Als seine Frau starb, war er gezwungen, die Wirtschaft aufzulösen. Er verkaufte die Felder als preiswertes Bauland [ für 1 Reichsmark vergab Georgi Land für arme Bauern, Anm. d. Webmasters] und gab damit vielen einfachen Leuten die Möglichkeit zum Grunderwerb und zum Hausbau. Damit wurde auch der Bau einer Verbindungsstraße von Adelsberg zur Zschopauer Straße erforderlich. 1930/31 wurde sie errichtet - mit recht primitiven Mitteln und schwerer körperlicher Arbeit. Pferdefuhrwerke, eine Dampfwalze und viele Schaufeln waren im Einsatz [...]. Mehrmals fuhr Ernst Georgis Sohn damals täglich mit Pferd und Wagen nach Dittersdorf in den Steinbruch, um Schotter für den Straßenunterbau heranzuschaffen. "Viele damals arbeitslose Männer bekamen durch diese Baumaßnahmen für eine Zeit Lohn und Brot", berichtet die Enkelin von Georgi Christine Kunze. [...]
Ganz klar, dass dem Erbauer zur Ehre sein Name für die Straße auserkoren wurde. Und ganz klar, dass er auch nur wenig darüber erfreut war, als 1953 in einer Nacht- und Nebelaktion Erich Weinert neuer Namensgeber wurde. [...] Doch entschied das Stadtparlament im Juli 1991, den alten Namen wieder zurückzugeben. Christine Kunze: "Leider hat Ernst Georgi, der außerdem viel für das Gemeindewohl in Adelsberg getan hat, seine Rehabilitation nicht mehr erlebt. Er starb 1966 im Alter von 81 Jahren." Seinem Wunsch entsprechend führte seine letzte Fahrt noch einmal auf "seiner" Straße entlang - bevor er auf dem Friedhof in Adelsberg unter großer Anteilnahme der Bewohner beerdigt wurde.

Quelle: Freie Presse "Stadtjournal", Dezember 2000

Bilder der Georgistraße:

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