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Das "Rennfahrer-Dörfchen" Adelsberg

(aus zeitgenössischer Quelle, 1939)

"Adelsberg bei Chemnitz! Dort, wo die letzten Siedlungshäuser sich an die ersten Höhen des Erzgebirges schmiegen, steht Ewald Kluges Heim, in der freien Natur, mitten im strahlenden Sonnenlicht. Fern im Norden liegt der Dunst der großen Stadt, dicht im Süden ragt der erste Fichtenwald. In Adelsberg wohnen außerdem die DKW- Rennfahrer Geiß und Winkler. Hoch oben, vom Wald umgeben, steht das Haus Dr. Voelters; das ist der Mann in der Auto-Union, der zusammen mit den Rennleitern die Fahrer betreut. "Das Rennfahrerdorf" hat man deshalb die Vorstadtsiedlung Adelsberg bei Chemnitz genannt...."

Quelle: Hans Reh, "Europameister Ewald Kluge", 1940, Bergwald Verlag

...Die Gemeinde Adelsberg ist aber auch dadurch bekannt geworden, daß einige der erfolgreichsten Rennfahrer der Auto-Union hier wohnen. Ewald Kluge, Walfried Winkler, Arthur Geiss, Fritz Trägner und Herbert Kirchberg, alles gut bekannte Namen des Motorsportes, haben auf den schönen Adelsberger Höhen ihr Eigenheim errichtet. Hier verbringen Sie ihre Ruhezeiten, erholen sich von den Anstrengungen der Rennen und stärken sich für neue Kämpfe. Auch der Sportleiter der Auto-Union, Dr. Voelter, ist Adelsberger Einwohner. Diesem Umstande verdankt Adelsberg die ihm zugelegte Bezeichnung "Rennfahrerdörfchen", auf die vor allem die Jugend unseres Ortes nicht wenig stolz ist. Mit wahrem Feuereifer verfolgt sie die motorsportlichen Erfolge "ihrer" Meister.

Aber nicht nur die Jugend, auch die erwachsenen Einwohner Adelsbergs sind begeisterte Anhänger des Motorsportes. Die Zahl der Kraftfahrzeuge ist hier außerordentlich hoch. Das entspricht der Eigenart der Gemeinde als Garten- und Siedlungsvorstadt. Eine Zählung hat ergeben, daß in Adelsberg insgesamt 762 Kraftwagen und Krafträder vorhanden sind. Es entfällt somit auf rund 8 Einwohner ein Kraftfahrzeug. Diese verhältnismäßig große Zahl der Kraftfahrzeuge wird nicht gleich von einem anderen Orte des deutschen Vaterlandes aufzuweisen sein.

Außer den Rennfahrern des Motorsportes sind in Adelsberg aber auch bekannte und erfolgreiche Radrennfahrer wohnhaft. Der Trainer der Presto-Werke, Max Günther, beherbergt in seinem Heim in Adelsberg die Radrennfahrer Hermann Schild, Herbert Gerber, Franz Heller und Heinz Holler. Von ihnen haben vor allem Schild und Gerber als "Giganten der Landstraße" internationalen Ruf.

Die in Adelsberg wohnenden Rennfahrer:

Arthur Geiss, geboren am 12. April 1903 in Hockenheim

Arthur GeissBereits im Jahre 1928 siegte er im "Großen Preis der Nationen" in Italien. Zweimal siegte er im "Großen Preis von Deutschland". In den Jahren1935-1936 war er in den großen Preisen von Holland und Belgien siegreich. 1935 war er nicht nur Deutscher Motorradmeister, sondern er erhielt auch den offiziellen Titel "Europameister" in der Klasse 250ccm. 1936, dem letzten Jahre seiner seiner Rennfahrerlaufbahn, gewann er außerdem noch den "Großen Preis von Barcelona" und den "Großen Bergpreis von Deutschland". Die Summe seiner Siege liegt nicht weit von 150 entfernt. Altmeister Geiss kam leider bei einer Fahrt nach Chemnitz zur Siegerehrung im Herbst 1936 zum Sturz und wurde dabei so unglücklich am Arm verletzt, daß er seinen Rennfahrerberuf aufgeben mußte. Seitdem ist er in der in der Rennleitung der Auto-Union DKW-Rennmannschaft tätig.

Hier gehts zur Homepage über Arthur Geiss, erstellt von seiner Enkelin Frau Rita Sinnl (Mühlacker, BW)


Walfried WinklerWalfried Winkler, geboren am 17. März 1904 in Chemnitz

Er gewann 1925 das erste Rennen, an dem er teilnahm. In ungezählten nationalen und internationalen Motorenschlachten erkämpfte er sich seither Siegeslorbeeren, wie sie kein zweiter Rennfahrer aufzuweisen hat. Über 200 Siege hat Winkler in 15 Jahren erfochten. Sechsmal wurde er Deutscher Meister, einmal Europameister. 35 Weltrekorde stellte er auf, von denen er noch heute 13 hält (Anm.: man schreibt das Jahr 1937). Winkler ist der älteste aktive Motorradrennfahrer und immer noch einer der erfolgreichsten. 1938 siegte er in der 350ccm Klasse in der Eilenriede, auf der Avus, in Nürnberg und am Nürburgring. Er wurde Deutscher Meister seiner Klasse.



Ewald KlugeEwald Kluge, geboren am 19. Januar 1909 in Lausa bei Dresden

Schon als Zwanzigjähriger widmete er sich dem Rennsport. Bis zum Jahre 1934 konnte er über 15 Siege erzielen. Mit Eintritt in das Zschopauer Werk DKW der Auto-Union begann sein einzigartiger Aufstieg. 1936 und 1937 wurde er Deutscher Meister.

1937 erkämpfte er sich 11 Siege, wurde in Australien vierfacher Sieger und eroberte 6 Weltrekorde, die bisher in englischem und italienischem Besitz waren. Mit Beginn der Saison 1938 eilte er von Rennen zu Rennen, von Sieg zu Sieg. Vierzehnmal am Start, vierzehnmal am Ziel! Davon 12 erste und 2 zweite Siege! Kluge ist dadurch Inhaber der Deutschen Meisterschaft, Klasse 250ccm, und der Deutschen Bergmeisterschaft 1938 für Motorräder. Mit seinen Erfolgen in den sechs großen Länderpreisen ist er Gewinner der Europameisterschaft 1938. Schließlich ist er erstmaliger deutscher Sieger bei der englisch TT.

klugerennleiter
Ewald Kluge und sein früherer Rennleiter Adolf Meurer, Auto-Union



klugewinkler
Kluge und Winkler mit ihren stromlinienförmigen
Sturzhelmen bei der Rekordwoche 1937 in Berlin


Herbert Kirchberg, geboren am 21. Januar 1904 in Chemnitz

war früher Rennfahrer und ist jetzt (d.h. 1939) als Meister in der Versuchsabteilung der Auto-Union, Werk DKW in Zschopau, beschäftigt.


Fritz Trägner, geboren am 2. August 1905 in Chemnitz

Er ist Zuverlässigkeitsfahrer der Auto-Union und erhielt ebenfalls kürzlich das deutsche Motorsportabzeichen der ersten Stufe in Gold. (Anm.: Kirchberg erhielt das Motorsportabzeichen der 2. Stufe in Silber, das Deutsche Motorsportabzeichen wurde in der Nazizeit gestiftet und vergeben).


Hermann Schild, geboren am 16. Februar 1913 in Tschausdorf bei Frankfurt/Oder

schildist heute einer der bekanntesten Radrennfahrer Deutschlands. 1933 kam er zum Radsport. Auf Grund seiner zahlreichen Siege als Amateurfahrer wurde er von den Chemnitzer Prestowerken als Berufsfahrer verpflichtet. Er gewann u.a. den Straßenpreis von Oberschlesien. Zweimal nahm er an dem französischen Straßenrennen Tour de France teil. An der Deutschlandfahrt 1937 beteiligte er sich und gewann die Etappe Hannover-Hamburg. Bei der Deutschlandfahrt 1938 ging er als Gesamtsieger hervor. Er hat sich auch bei der vor wenigen Tagen beendeten Großdeutschlandfahrt glänzend geschlagen. Die Großdeutschlandfahrt ist das bisher größte Straßenrennen (5000 km), das noch nie dagewesene Anforderungen an Fahrer und Maschinen stellte. 4 Etappensiege konnte Schild dabei erringen. Die Etappen Wien-Graz, Augsburg-Singen und Stuttgart-Saarbrücken konnte er siegreich beenden. Zum Schluß des gigantischen Kampfes brachte er es fertig, die Etappe Leipzig-Berlin mit 14,5 Minuten Vorsprung zu bewältigen.


Herbert Gerber, geboren am 15. November 1914 in Bärenwalde bei Zwickau

gerber1934 bestritt er sein erstes Rennen. Als Amateurfahrer konnte er sich zahlreiche Siege erkämpfen. Seite 1937 ist er Berufsfahrer der Prestowerke. Er hat an schwersten Berufsfahrerrennen teilgenommen und wurde u.a. Sieger beim Rennen "Rund um Dortmund", beendete die Deutschlandfahrt mit gutem Erfolg und konnte bei der Erzgebirgsfahrt und beim internationalen Jubiläumsrennen in Schweinfurt einen guten 3. Platz belegen. An der Großdeutschlandfahrt 1939 hat er sich wiederum mit Erfolg beteiligt und wurde Sieger der Etappe Salzburg-Augsburg.